Eigenliebe trifft auf Narzisst

Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich nochmals darüber schreiben soll, dass mir der Absprung aus einer Co-Abhängigkeit geglückt ist. Das ist natürlich sehr persönlich und bewegt mich nach wie vor emotional.


Wenn die folgenden Worte, mit denen ich meinen Weg aus dem goldenen Käfig zurück in die Freiheit beschreibe, auch nur einem Menschen helfen können, haben sie sich tausendfach gelohnt. 


Missbraucht - ich?


Letztens war ich bei einem Seminar und bin sehr offen damit umgegangen, habe mich quasi auf der Bühne geoutet. Die Resonanz war erschreckend, sehr viele Menschen erfahren Co-Abhängigkeit. Es gibt mehr Narzissten, die ihr Unwesen treiben, als ich dachte. Ich halte mich hier an die Definition des Narzissten nach Reinhard Haller. Für ihn  zeigt der Narzisst folgende vier Punkte: Egoismus, Empathiemangel, Empfindlichkeit und Entwertung. (Sein Buch, "Die Narzissmusfalle: Anleitung zur Menschen-und Selbstkenntnis")


Co-Abhängigkeit ist ein zäher Schmerz


Besonders intensiv habe ich eine Frau in Erinnerung, die den Schmerz jetzt erlebt, den ich schon hinter mir habe. Ihre Gefühle, dieses totale Alleinsein, tiefe Trauer, die Unfähigkeit, zu handeln, der Zweifel an der eigenen Urteilskraft - das habe ich vom Kopf her verstanden gehabt. 


Erst durch diese Erfahrung, den Blick von außen, hat auch der letzte klitzekleine Winkel meines Herzens verstanden, dass ich auch bereit war, Opfer zu sein. Ich war bereit, für einen mit diesem Menschen  unerfüllbaren Traum, mich selbst nach hinten zu stellen. 


Das hat sich für mich geändert. Ich bin die Nummer eins in meinem Leben. Das ist der erste Schritt.


Das ist der wichtigste erste Schritt für mich gewesen - was will ich? Es ist das, worum es geht, auch für Dich.  Die wichtigste Beziehung in Deinem Leben ist die Beziehung zu Dir selbst. Du schubst den anderen von seinem Denkmal. Ein Narzisst schafft es ja, sich selbst so in das Zentrum der Aufmerksamkeit zu stellen, dass das ganz natürlich erscheint, dass alles sich um ihn dreht. Auch in Deinem Leben, er als Nabel der Welt.


Das, was Du willst, in den Fokus Deiner Aufmerksamkeit stellen. Und danach handeln. Das ist gesundes Selbstbewusstsein. Eigenliebe, die allen Beteiligten gut tut.

Trennung. Mein zweiter Schritt.


Der zweite Schritt für mich war es, mutig zu sein und mich zu trennen. Das ging bei mir ganz schnell und war eher eine Flucht. Raus aus dem goldenen Käfig, raus aus der Oberflächlichkeit. Raus aus der Kälte. Ich habe am ganzen Körper gezittert, hatte Angst. Und bin raus.


Raus aus dem goldenen Käfig - rein in das Gefühl

Der dritte Schritt war in meiner Welt die Aufarbeitung der Gefühle. Rein ins Gefühl. Ich habe mich meiner Angst gestellt, sogar meinen Urängsten. Die Angst, von Gott und der Welt verlassen zu sein. 


Ich habe so geweint wie nie zuvor. Da gab es viel mit meinem inneren Kind zu tun. Das war schmerzhaft und heilsam. Ich habe Hilfe bekommen und mutig angefangen, wieder ich selbst zu sein. 


Hilfe ist hier ein wichtiger Punkt. Psychischer Missbrauch ist eine heftige Erfahrung und hier ist ein Mensch, dem Du vertrauen kannst, genau richtig. Jemand, der sich damit auskennt. Ich empfehle Dir, Hilfe zu suchen. 


Mir persönlich hat eine Kombination aus Tapping und der Arbeit mit dem inneren Kind das Verarbeiten der Gefühle sehr erleichtert. Das Seminar in Berlin und wirklich gute Freunde. Dankeschön für Eure Hilfe. Besonders Dir, lieber Werner, möchte ich danken.

Action - ins Tun. Schritt vier heißt Bewegung! 


Der vierte Schritt war für mich die Aktion, wieder Dinge machen, die mir Freude bereiten. 


Mit dem eigenen Vergnügen schwand die Sehnsucht nach dem Peiniger, erblühte mein Gaudinockerl und machte sich meine Persönlichkeit breit. Mein Strahlen kehrte zurück und die Wonne, wahrhaft zu leben. 


Man hat gesagt, dass ich endlich wieder singe. Das stimmt, meine Fröhlichkeit ist zurück.

Schritt fünf - ich verändere mich.


Im fünften Schritt tauchte ich in die Tiefe und habe mit den Methoden von nlp alte Muster aufgedeckt und verändert. Der gnadenlos gute Chris Mulzer sagt, dass er Missbrauch riechen kann. Bei mir hat er den richtigen Riecher gehabt. Ich habe mit der bereits oben genannten Frau mein altes Antlitz gesehen, meinen Spiegel vorgehalten bekommen und mich von der Vorstellung von mir als Opfer für immer verabschiedet. 


Ich weiß, dass ich daran noch arbeiten darf. Mein Schattenkind lernt - sogar sehr gerne. 


Vor wenigen Tagen habe ich meine restlichen Möbel erhalten. Dieses letzte Spiel hat mich Kraft gekostet, hat er doch einiges an Manipulationsstrategien anwenden wollen.


Ich bin so froh, dass ich da raus bin. Dass ich ihm Heilung wünsche und alles Gute. Danke, dass ich das überlebt habe. Danke, dass ich eine starke und mutige Frau bin. Eine Frau, die sich selbst immer mehr Liebe schenkt. 


Wenn Du Dich selbst in einer Co-Abhängigkeit befindest, kommst Du da raus, wenn Du willst. Wenn Du es machst. Mutig Deinen Weg gehen.


Eigenliebe riecht nach Vanille - bei mir gibt es jetzt Erdbeeren mit Vanilleeis. So.


Habt Euch lieb, Sandra